Teddy Award 2019 : Wir sind alle Außerirdische

Santiago Loza gewinnt mit seinem berührenden Alien-Roadmovie „Breve historia del planeta verde“ den Spielfilm-Teddy. Eindrücke von der Preis-Gala in der Volksbühne.

Wodka kann positive Wirkung auf öffentliche Ansprachen haben – zumindest, wenn er in der richtigen Menge genossen wird. Das beweist am Freitagabend die chinesische Regisseurin Xiang Zi, als sie in der Volksbühne an das Plexiglas-Pult tritt. Sie sagt als Erstes, dass sie betrunken ist und hält dann eine der witzigsten und mutigsten Dankesreden des Abends.

Sie hat mit ihrem Debütspielfilm „Dog barking at the Moon“ den Jury Award gewonnen, einen der Teddy-Preise für die besten queeren Berlinale-Filme. Das auf mehreren Zeitebenen spielende Familiendrama um einen schwulen Professor mit jungem Liebhaber erzählt Xiang Zi aus der Sicht seiner schwangeren Tochter und seiner Frau, die immer tiefer in den Fängen einer buddhistischen Sekte versinkt.

Um den Film durch die Zensur zu bringen habe sie in der Zusammenfassung statt „boyfriend“ das Wort „lover“ für den Partner des Vaters gewählt, erzählt die Regisseurin. Darunter habe man sich bei der Behörde offenbar sofort eine Frau vorgestellt. Wie man dort dann auf den fertigen Film reagierte, verrät sie zwar nicht. Doch dass ihr Werk im Panorama-Programm laufen konnte, deutet im Lichte der Premierenabsage von Zhang Yimous Wettbewerbsfilm „One Second“ und dem aus dem Generationsprogramm gestrichenen „Better Days“ auch auf die Willkür der Zensurstelle hin.

Die letzte Woche im Überblick

Nur noch zwei Tage bis zur Berlinale! Es wird ernst! Gestern hat der Kurator von Panorama Wieland Speck eine Einführung in die queeren Filme der Berlinale 2015 gegeben. Im Kino International kamen die queeren *innen aus Berlin zusammen.

A photo posted by Teddy Award (@teddyaward) on Feb 2, 2015 at 12:53pm PST

Allen, die es nicht geschafft haben können wir sagen: die queeren Filme der Berlinale sind auch dieses Jahr wieder toll. Ihr könnt auch auf unserer Blog eine Übersicht aller TEDDY Filme verschaffen. Das TEDDY Programm kann hier auch runtergeladen werden. Und um euch einen kleinen Einblick zu geben, hier der Trailer einer der verrücktesten queeren Filme dieses Jahr, das schwedische Musical Dyke Hard:

Vergesst nicht, dass die Opening Party vom TEDDY diesen Freitag steigt! Ihr könnt die DJs, die im SchwuZ hier finden. Es wird eine tolle Nacht, so viel ist sicher. Lego & Marsmaedchen werden Rock auflegen, Chance & Dark, Lucky Pierre und Ena Lind versorgen euch mit elektronischer Musik und viele andere großartige DJs und Künstler*innen werden da sein, um euch zu unterhalten!

 Der TEDDY wäre aber nicht der TEDDY, wenn neben der Musik und der Party nicht auch wichtige Themen der LGBTI Welt angesprochen würden. Dieses Jahr haben wir Infostände zum Thema Trans* und insbesondere zu Chelsea Manning. Die Whistleblowerin wurde zu 35 Jahren Haft verurteilt. Chelsea hatte vor über einem Jahr ihr Coming-Out als Transfrau und wartet seitdem auf die Hormontherapie, die ihr von der US-Regierung versprochen wurde. Chelsea Manning braucht unsere Unterstützung!

Für alle, die mehr lessen wollen; wir haben schon die ganze Woche die Mitglieder der internationalen TEDDY Jury auf unserem Blog vorgestellt. Außerdem haben wir dem LGBTI Aktivisten David Kato zu seinem vierten Todestag gedacht und einen Bericht über Bombastic geschrieben, dem ersten LGBTI Magazin in Uganda.

#Berlinale fans camping in front of our ticket counters… Advance ticket sales start today! #BerlinaleMoments #Berlinale2015

A photo posted by Berlinale (@berlinale) on Feb 2, 2015 at 12:52am PST

Wie ihr sehen könnt, campen Leute sogar vor den Berlinale Ticketcountern. Es ist also anzunehmen, dass ihr es genauso wenig erwarten könnt wie wir, dass die Berlinale endlich anfängt! Das hier ist die letzte Woche im Überblick, ab Donnerstag gibt’s hier die TEDDY Todays, die euch täglich über alle Geschehnisse auf der Berlinale informieren. Wir freuen uns auf ein tolles Festival mit euch!

Die letzte Woche im Überblick

QUEER ACADEMY Summit 2019

Die QUEER ACADEMY ist ein jährlicher Kongress internationaler Filmemacher und Festivalveranstalter im schwul-lesbisch-transgender-Kontext (2018: 205 Personen/Institutionen) der Berlinale. Die QUEER ACADEMY will sich als Institut für queere kulturelle Erinnerung etablieren. Die ACADEMY wird zu einem Archiv der queeren Kultur und Geschichte werden, das queere kulturelle Produktionen miteinander verbindet und mit anderen Organisationen zusammenarbeitet. Da Erinnerungen für die Identitätskonstruktion unerlässlich sind, wird die QUEER ACADEMY eine Möglichkeit für queere Menschen bieten, ihre Identität in queerer Erinnerung zu formen und zu finden. Seit der Gründung des TEDDY AWARD wurden auf der Berlinale mehr als 1000 Filme mit queerem Kontext von allen Kontinenten präsentiert. Der TEDDY AWARD hat ein Archiv aufgebaut, in dem alle jemals in seinem Programm gezeigten Filme zusammen mit zusätzlichen Informationen gesammelt werden. Es ist notwendig, dieses Archiv zu retten – das größte seiner Art weltweit. Aus diesem Grund ist es unerlässlich, es zu digitalisieren, eine Datenbank anzulegen und dieses Archiv für den Austausch zur Verfügung zu stellen sowie die Bank der ergänzenden Materialien mit Unterstützung der Mitglieder der Akademie und der gemeinsamen Nutzer auszubauen. Die QUEER ACADEMY fungiert als Zentrum des queeren kulturellen Gedächtnisses, in dem Artefakte und Darstellungen gespeichert und für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden sollen. Die Konzentration dieses queeren filmhistorischen Gedächtnisses geht weit über den kinematographischen Kontext hinaus und spiegelt das globale Gedächtnis der queeren Befreiungsbewegungen aller beteiligten Länder wider. Die Digitalisierung dieser Materialien bedeutet nicht nur, dass sie für die Forschung und für die Arbeit an der (Film-)Geschichte zur Verfügung stehen. Durch die Digitalisierung können wir diese Materialien vor dem Verschwinden bewahren, da sie in den meisten Ländern durch ihre bedrohte Existenz dauerhaft marginalisiert werden. Erstmals wird es für die queere Bevölkerung möglich, sich mit ihrem (Film-)Erbe in die Geschichte einzuschreiben und Berlin ist heute ein Zentrum dieses nationalen und internationalen Prozesses. Es ist wichtig, die in der QUEER ACADEMY gespeicherten Erinnerungen zu nutzen und sie so am Leben zu erhalten. Nur durch aktive Arbeit mit den Erinnerungen lassen wir sie nicht einfrieren, in Vergessenheit geraten oder tolerieren, dass sie auf bestimmte Aspekte reduziert werden.

ZEITPLAN Mittwoch, 13. Februar 2019Ort: Berliner Freiheit, Berliner Freiheit 2 , 10785 Berlin (FREIER ZUGANG)

11.00 Eröffnung: Wieland Speck11.30 Panel 1: Programmers of Colour in Focus: Then, Now and the Future13.00 Mittagspause13.30 Toby Ashraf im Gespräch mit Isaac Julien14.30 Pause15.00 Panel 2: 40 Years of Queer Programming16.30 Pause17.30 Für geladene Gäste: Queer Connection Meeting/International Queer Film Project ExchangeOrt: Martin Gropius Bau, Kino18.30 Für geladene Gäste: Queer Industry Reception / Get TogetherOrt: Martin Gropius Bau, Lichthof

Moderator*in: Hebe Tabachnik, Palm Springs Film Festival/Seattle International Film Festival/Dance Camera West/Guadalajara International Film Festival in Los AngelesHussain Currimbhoy, Sundance Film FestivalF. Clementine Dramani-Issifou, Semaine de la Critique/Festival of New Documentary Cinemas/BeninDocs Dr. Farzada Farkhooi, Trans*Formation Film Fest BerlinPecha Lo, Women Make Waves International Film FestivalKevin Mwachiro, Out Film FestivalPaul Struthers, San Francisco International LGBTQ+ Film Festival

Moderator: Wieland Speck, TEDDY Steering Committee/Leiter des Panorama 1992-2017John Greyson, Regisseur/TEDDY AWARD-Gewinner 1989 und 1991Sandra Hezinová, Mezipatra Queer Film Festival/Karlovy Vary International Film FestivalIsaac Julien, Regisseur/TEDDY AWARD Gewinner 1989/Special TEDDY AWARD Gewinner 2008Andrea Kuhn, Internationales Nürnberger Filmfestival der MenschenrechteKevin Mwachiro, Out Film FestivalGreta Schiller, Regisseurin/TEDDY AWARD Gewinnerin 1989 und 1999

QUEER ACADEMY Summit 2019

Aktuelles: Hauptpreis bei Teddy Awards 2019 geht an Santiago Loza

16.02.2019: Gestern Abend wurden in der Volksbühne Berlin zum 33. Mal die Teddy Awards verliehen. Der Preis geht an Filme des Berlinale-Jahrgangs, die sich mit LGBTIQ-Themen befassen.

Mit dem Hauptpreis für den Besten Spielfilm wurde das argentinische Roadmovie Breve historia del planeta verde (Brief Story from the Green Planet) von Santiago Loza ausgezeichnet — eine einzigartige Mischung aus Außenseiter_innen-Porträt und SciFi-Märchen.

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In der Kategorie Bester Dokumentarfilm konnte sich indes Lemebel von Lissette Orozco durchsetzen. Das Werk widmet sich dem chilenischen Theaterkünstler, Schriftsteller und queeren Aktivisten Pedro Lemebel.

Zum Besten Kurzfilm wurde die animierte filmische Reise Entropia von Flóra Anna Buda gekürt; der Jury-Preis ging an die chinesische Regisseurin Lisa Zi Xiang für deren Familiendrama A Dog Barking at the Moon.

Neben dem Theatermacher Falk Richter, der den Special Teddy Award erhielt, wurde auch Wieland Speck gefeiert, der von 1992 bis 2017 als Programmleiter der Berlinale-Sektion Panorama aktiv war und im Jahre 1987 gemeinsam mit Manfred Salzgeber die Teddy Awards ins Leben rief.

Der von Jack Woodhead gekonnt moderierte Abend wurde von kraftvollen (Dankes-)Reden begleitet und bot u.a. musikalische Auftritte von Sam Vance-Law und Säye Skye.

Aktuelles: Hauptpreis bei Teddy Awards 2019 geht an Santiago Loza

Die besten LGBT-Filme 2020 – DRAMAqueen USERaward

01. Porträt einer jungen Frau in Flammen02. Kokon03. Als wir tanzten04. Circus Of Books05. The Boys In The Band06. Berlin Alexanderplatz07. Futur Drei08. Giant Little Ones09. Nina Wu10. Der Honiggarten

Die besten LGBT-Filme 2020 – DRAMAqueen USERaward

Teddy Readers’ Award: „Futur drei“

► Der bereits als bester deutscher Nachwuchsfilm ausgezeichnete Jugendfilm von Regisseur Faraz Shariat (26) feierte auf der Berlinale Weltpremiere. Der autobiografische Spielfilm erzählt von Parvis, dem Sohn zweier Exil-Iraner, der nach einem Ladendiebstahl Sozialstunden in einem Wohnprojekt für Flüchtlinge ableisten muss und sich dabei in Amon verliebt, der mit seiner Schwester Banafshe Arezu aus dem Iran geflüchtet ist.

Zu dritt erleben sie einen Sommer mit durchfeierten Nächten, der von der Erkenntnis geprägt ist, dass sie auf unterschiedliche Weise nicht in Deutschland zu Hause sind. Die Leser des LGBTQ-Portals bestimmten „Futur drei“ zum Gewinner des Readers‘ Awards.

Teddy Jury Award: „Rizi“

► Der taiwanische Spielfilm von Tsai Ming-liang (62) schildert die erotische Begegnung zweier einsamer Männer. Die Hauptrollen in der Low-Budget-Produktion, die ohne Dialog auskommt, spielen Lee Kang-sheng und Anong Houngheuangsy. In seiner Dankesrede widmete Ming-liang den Preis der taiwanischen LGBTQ-Community, die gerade erst die Eheöffnung im asiatischen Land erkämpft hat.

Bester Kurzfilm: „Playback. Ensayo de una despedida“

► Der Kurzfilm von Filmregisseurin Agustina Comedi (33) spielt im katholisch-konservativen Argentinien der späten 80er-Jahre, das von der Militärdiktatur geprägt ist. „La Delpi“, die einzige Überlebende einer Gruppe von Transgenderfrauen und Dragqueens, erzählt im Film davon, wie ihre Shows in Kellertheatern ihnen Halt im Kampf gegen Aids und Polizeigewalt gaben und dabei die Gemeinschaft stärkten.

Activist Award: „Welcome to Chechnya“

► Standing Ovations für den Aktivisten-Preis: „Welcome to Chechnya“. Der Film erzählt von der Verhaftungswelle tschetschenischer Behörden im Jahr 2017, bei der etliche Schwule, lesbische Frauen und bisexuelle Menschen in illegale Haftanstalten gebracht wurden und dort so lange gefoltert wurden, bis sie auch andere Homo- und Bisexuelle outeten.

Viele wurden brutal ermordet. Wer das Martyrium überstand, dem drohte nach der Freilassung der Ehrenmord durch die Familie. Die Regierung unter dem Horror-Despoten Ramsan Kadyrow (43) streitet bis heute jede Beteiligung ab. Seit den ersten Vorkommnissen helfen Aktivisten den Verfolgten, aus dem Land zu fliehen. Im Film begleitet der US-amerikanische Investigativjournalist und Regisseur David France (61) die Rettungsaktionen, schaffte so den ersten Dokumentarfilm über die Situation der LGBTQ-Community in der russischen Teilrepublik Tschetschenien.