Hitzlsperger bekennt sich: Homosexualität: Diese sechs Profisportler haben sich bereits geoutet

Thomas Hitzlsperger geht voran. Er ist der erste deutsche Profifußballer, der sich zu seiner Homosexualität bekennt. Im Ausland haben derweil schon zahlreiche männliche Profissportler erklärt, schwul zu sein. FOCUS Online gibt ein Coming-Out-Überblick.

Es sind durchweg positive Reaktionen, die das Coming Out von Thomas Hitzlsperger begleiten. „Mutige und richtige Entscheidung. Respekt, Thomas Hitzlsperger“, twitterte Lukas Podolski. „Bin stolz auf dich. Gute Entscheidung und aus meiner Sicht richtiger Zeitpunkt“, schrieb Ex-Nationalspieler Arne Friedrich, ebenfalls auf Twitter.

Hitzlsperger mag der erste deutsche Profisportler sein, der seine Homosexualität öffentlich macht, in anderen Nationen gab es das allerdings bereits – darunter auch einige, die sich noch während ihrer Karriere zu ihrer sexuellen Ausrichtung bekannten. Sechs Profisportler-Coming-Outs im Überblick:

„Ich war und bin ein stolzer, schwuler Mann“, teilte Profiboxer Orlando Cruz im Oktober 2012 per Pressemitteilung mit – zwei Wochen vor seinem nächsten Kampf! Er fühle sich erleichtert, habe aber mit sich gerungen, an die Öffentlichkeit zu gehen, schrieb der Puertoricaner. „Ich habe mich geistig weiterentwickelt, um so einen großen Schritt in meinem Leben und meinem Beruf zu gehen. Ich wusste, es würde Vor- und Nachteile in meinem Sport bedeuten, der so machomäßig ist.“ Cruz ist der erste aktive Profiboxer, der sich zu seiner Homosexualität bekannte.

2. Robbie RogersDer 25-jährige Fußballer outete sich im Februar 2013 mit einem Blog-Eintrag auf seiner Homepage. Gleichzeitig beendete der ehemalige US-Nationalspieler seine Profi-Karriere. Auch im Fall von Rogers fielen die Reaktionen sehr positiv aus. So äußerte sich unter anderem der ehemalige Nationalspieler Kasey Keller lobend und ermunterte Robbie Rogers dabei auch zu einer Fortsetzung seiner Karriere: „Ich hoffe, er weiß, dass er nicht zurücktreten muss. Er wird mehr unterstützt werden, als er denkt.“

Der britische Turmsprung-Star Daley erklärte seine Liebe zu einem Mann auf sehr direkte und bewegende Weise – mittels eines kurzen Videos auf Youtube. „Im Frühling dieses Jahres hat sich mein Leben verändert, und zwar sehr“, sagt der 19-Jährige Bronzemedaillen-Gewinner der Olympischen Spiele in London in dem offenbar selbstgedrehten Clip: „Ich habe jemanden getroffen, der mich sehr glücklich gemacht hat, der mir Sicherheit gegeben hat. Es fühlt sich alles einfach großartig an. Und dieser Jemand – war ein Mann.“

Vier olympische Goldmedaillen gewann US-Turmspringer Greg Louganis. Unvergessen bleibt sein Auftritt bei den Spielen 1988, als er mit dem Hinterkopf aufs Drei-Meter-Brett aufschlug und trotzdem den Olympiasieg holte. 1994 bekannte sich Louganis als schwul und teilte gleichzeitig mit, dass er sich mit dem HI-Virus infiziert habe. Heute setzt Louganis sich als Botschafter der Gay Games für den Abbau von Diskriminierung gegenüber homosexuellen Sportlern ein und ist zudem Aids-Aktivist.

Jason Collins ist der erste Akteur der vier großen US-Profiligen, der sich offen zu seiner Homosexualität bekannt hat. „Ich bin ein 34 Jahre alter NBA-Center, ich bin schwarz und ich bin schwul“, erklärte der Spieler der Washington Wizards in der „Sports Illustrated“ im April 2013. Es sei eine Riesenanstrengung für ihn gewesen, dieses Geheimnis zu wahren. „Ich habe Jahre des Kummers hinter mir und sehr viel auf mich genommen, um diese Lüge zu leben. Ich war mir sicher, dass meine Welt zusammenbricht, wenn es irgendjemand wüsste“, sagte Collins.

Der ehemalige NBA-Profi Amaechi machte seine Homosexualität erst nach der Karriere öffentlich. Der Center, der unter anderem für die Cleveland Cavaliers und die Utah Jazz spielte, bekannte sich 2007 in seiner Autobiografie, schwul zu sein. Aufsehen erregte die damals die Reaktion des Ex-Basketballers Tim Hardaway. Der erklärte sich in einem Radio-Interview als homophob und sagte, er hätte schwule Teamkollegen sofort denunziert. Kurz darauf distanzierte sich Hardaway jedoch von seinen Äußerungen. 2013 unterschrieb Hardaway symbolisch als erster eine Petition für die gleichgeschlechtliche Ehe in Kalifornien.

Schwuler Fußballer vor Outing? Twitter-Profil sorgt für Wirbel – Zweitligaprofi hat eine konkrete Angst

Homosexualität und Profifußball – das schien sich lange nicht zu vertragen. Doch jetzt bereitet ein schwuler Kicker offenbar via Twitter sein Outing vor.

Update vom 19. Oktober 2019, 9.54 Uhr: Ein neues Twitter-Profil sorgt für Aufsehen: „Ich bin ein schwuler Spieler der 2. Bundesliga. Ich möchte mich bald outen, um das Versteckspiel zu beenden. Ich teste hier, ob ich den Druck aushalten kann“, heißt es auf dem Account von „gay_Bundesligaspieler“.

Handelt es sich wirklich um einen Fußball-Star, der sein Comingout plant? 2016 gab es eine ähnliche Situation: Damals verkündete ein Drittliga-Spieler seine Homosexualität über ein soziales Netzwerk. Er blieb aber anonym. Die Echtheit seines Profils ist bis heute nicht bewiesen – ebenso verhält es sich aktuell bei „gay_Bundesligaspieler“.

Schwuler Fußballer vor Outing? Twitter-Profil sorgt für Wirbel - Zweitligaprofi hat eine konkrete Angst

Welche Fußballer lieben Männer?

Gleichgeschlechtliche Liebe im Profifußball ist auch nach dem Outing von Thomas Hitzlsperger noch immer ein Tabu. Eine absonderliche Webseite schürt aber weiterhin Gerüchte.

Kein Spucken, kein Schimpfen, kein Treten: Auf dem Rasen entgeht den Teleobjektiven der Fotografen und den zahlreichen TV-Kameras nichts mehr. Selbst Lippenleser geben bei wichtigen Spielen ihr Bestes. Die letzten Geheimnisse der Fußballer liegen außerhalb des Rasens, in der Privatsphäre. Zwar ist wegen des großen Interesses der Fans auch über Hobbys, Urlaub und Frauen der Spieler vieles bekannt. Doch letzte Tabus bleiben. Dazu zählt Homosexualität.

Das Coming Out des schwedischen Profis Tobias Hysen in einem schwedischen Fußball-Magazin, Zitat: „Ich bin Fußballer und ich bin schwul“, bleibt die absolute Ausnahme. In Deutschland hat sich bislang kein aktiver Profi-Fußballer geoutet. Doch laut Statistiken, deren Zahlen je nach Umfrage variieren, müsste es sie geben, schwule oder bisexuelle Profis in der Bundesliga. Michael Ballacks Berater Michael Becker hat laut eines Spiegel-Berichts im Sommer 2010 im Zusammenhang mit der deutschen Nationalmannschaft sogar von einer „Schwulen-Combo“ gesprochen. Outings hat es seitdem aber nicht gegeben.

In Internetforen oder an deutschen Stammtischen wird weiter munter gerätselt. Sogar die Namen von verheirateten Stars wie Philipp Lahm, Miroslav Klose und Nationaltrainer Joachim Löw werden in Kombination mit dem Begriff „schwul“ oft gegoogelt. Der Beleg: Tippt man Namen wie diese im Google-Suchfenster des Brosers oben rechts ein, will die Suchmaschine die Anfrage mit „schwul“ ergänzen. Die Suchergebnisse sind abenteuerlich, nichtssagend und verlaufen sich in Fußball-Stammtisch-Foren. 

Eine Webseite macht nichts anderes, als Gerüchte und Spekulationen wie diese zu thematisieren. Auf dem Portal Gay or Straight gibt es eine absonderliche Rangliste, zu wieviel Prozent deutsche und internationale Stars schwul sind. Grundlage dieser irrwitzigen Schätzungen ist die Antwort der User auf die Frage „Schwul oder nicht schwul?“ Die Antwort erfolgt in Abstufungen. Null prozent ist demnach nicht schwul, 100 Prozent sehr schwul. Das Mittelding, 50 Prozent, soll übrigens „bisexuell“ sein.

Die höchsten Schwul-Werte unter den Bundesliga-Stars erzielen dabei Malik Fathi (FSV Mainz 05, 91 Prozent, Stand 28. Juni 2012), Gonzalo Castro (Bayer Leverkusen, 91 Prozent) und Marcel Schmelzer (Borussia Dortmund, 91 Prozent). Am wenigsten schwul ist demnach Timo Gebhart (1. FC Nürnberg, 25 Prozent) hinter Alphamännern wie Chuck Norris und Arnold Schwarzenegger.

Die Anzahl der abgegebenen Stimmen für erstgenannte Spieler (allesamt weniger 100) lässt darauf schließen, dass sich einige Internetnutzer auf sie eingeschossen haben. Schließlich ist bei allen dreien außerdem vermerkt, dass sie in Wahrheit heterosexuell sind.

Bei Elton John und George Michael sind sich die User da schon sicherer. Die Musikstars haben sich allerdings vor vielen Jahren geoutet. 

Welche Fußballer lieben Männer?

Der Niederländer hat immer dafür gekämpft, keine Rollen spielen zu müssen und ganz man selbst zu sein. Er sass bereits 2013 beim Gay Pride in Amsterdam in einem Fussballboot. Trotzdem hat sich keiner seiner Spieler je bei ihm geoutet. Warum?

von Kevin Clarke 4. August 2020, 11:23updated 1. September 2020, 18:31 1.6k Views

Der Niederländer hat immer dafür gekämpft, keine Rollen spielen zu müssen und ganz man selbst zu sein. Er sass bereits 2013 beim Gay Pride in Amsterdam in einem Fussballboot. Trotzdem hat sich keiner seiner Spieler je bei ihm geoutet. Warum?

Schwule Fußballer Models als Schutzschild

Die wenigen schwul-lesbischen Fußball-Fanclubs wie die Hertha Junxx in Berlin, die Rainbow-Borussen in Dortmund oder die Stuttgarter Junxx konnten die schwulenfeindliche Atmosphäre in den Bundesligastadien noch nicht nachhaltig verändern. Der englische Fußballverband, der schon mit Maßnahmen gegen Rassismus in britischen Stadien Vorbild für andere Verbände war, prescht auch beim Thema Homophobie wieder voraus. Seit 2001 ist in der Satzung verankert, dass der Verband gegen Diskriminierung wegen sexueller Orientierung vorgeht. Seither wurden Krakeeler schwulenfeindlicher Sprüche bereits häufiger aus den Fußballstadien geschmissen.

Zwei Anhänger des englischen Zweitligisten Norwich City mussten sogar kurzzeitig hinter Gitter und wurden im Anschluss zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr verurteilt. Auf Clubebene hat Manchester City begonnen, das Schwulentabu zu zerschlagen. Der Verein hat eine Charta unterschrieben, die aus ihm einen „gay friendly“-Club macht. Dafür bezahlt City eine sechsstellige Summe an Stonewall, die mächtige Organisation mit Sitz in London, die die Rechte von Schwulen und Lesben in Großbritannien verteidigt. Bei Manchester City sollen Homosexuelle nun gleichgestellt werden. Schwules Personal wird eingestellt, die Schwulenszene der Stadt ins Stadion eingeladen. Auch in England die große Ausnahme: Erst kürzlich stellte die BBC allen 20 Trainern der Premiere League drei Fragen zum Thema Homosexualität im Fußball – keiner antwortete, auch Stuart Pearce nicht, der Trainer von Manchester City.

Unter britischen Fans gilt der Verdacht, dass es schwule Profis auf dem Platz geben könnte, nach wie vor als Katastrophe. Dabei war es mit Justin Fashanu ausgerechnet ein Profi der Premier League, der sich als Erster 1990 öffentlich zu seiner Homosexualität bekannte. Acht Jahre später erhängte sich Fashanu in einer Londoner Garage. „Schwul und eine Person des öffentlichen Lebens zu sein ist hart“, schrieb er in seinem Abschiedsbrief. „Wenn sich heute einer outen würde, hätte er nicht das schönste Leben“, umschreibt Nationalspieler Robert Huth vom FC Middlesbrough die unverändert homophobe Atmosphäre: „Derjenige könnte nicht mehr unbeschwert ins Stadion einlaufen. Auch die Gegenspieler würden ihn deshalb provozieren.“

In der italienischen Serie A gilt Homosexualität ebenfalls als unerhörtes Tabu. Was nicht heißt, dass sie nicht vorhanden ist. Immer wieder kursieren Gerüchte über die angebliche Homosexualität von Fußballstars. Nehmen die Gerüchte überhand, handeln die Clubs. Dann schlägt die Stunde ambitionierter Topmodels und Showgirls. Die Stars lassen sich mit den Starlets ablichten, es werden Hochzeiten arrangiert, bei denen auch Kinder in der Gage enthalten sind. Es sollen sich sogar einige Modelagenturen auf dieses Marktsegment spezialisiert haben.

„Wir wissen, dass einige Stars des italienischen Fußballs schwul sind und gezwungen werden, dies zu verstecken“, sagt Arcigay-Präsident Franco Grillini, „Spieler werden von ihren Clubs sogar gezwungen zu heiraten. Die Spieler haben Angst, dass ihre Karriere ein jähes Ende nehmen könnte.“ Auch Sandro Mazzola, in den sechziger und siebziger Jahren Nationalspieler von Inter Mailand, weiß um die Existenz homosexueller Spieler: „Sicher habe ich schwule Profis kennen gelernt. Einer ist zudem ein berühmter Trainer geworden. Es war bekannt, dass er schwul war, und es hat keinen gestört.“

Und ausgerechnet der härteste und humorloseste italienische Terrier, Nationalspieler Gennaro Gattuso, pflichtet Mazzola bei: „Es gibt zwei oder drei Schwule auf 5000 Spieler. Aber das liegt nicht daran, dass der Fußball so männlich ist. Ich kenne Schwule, die auf dem Platz einen unglaublichen Einsatz bringen.“ Der frühere brasilianische Nationalspieler Marcos Vampeta, der einst ein kurzes Intermezzo bei Inter Mailand gab und heute beim brasilianischen Erstligisten Goiás EC spielt, outete sich kürzlich ebenso wie sein Landsmann Túlio Maravilha, mit über 500 Toren einer der besten Stürmer der brasilianischen Liga.

Vampeta war oft in den einschlägigen Szenelokalen im Mailänder San-Siro-Viertel unterwegs. Gerade im Viertel um das Meazza-Stadion, wo ein Großteil der Mailänder Spieler residiert, ist die Schwulenszene aktiv. Einige Profis lösen die Gerüchte durch ihr eigenes Zutun zudem erst aus: Mark Iuliano, früherer Abwehrspieler von Juventus Turin, ließ für ein Schwulenmagazin die Hüllen fallen. Matteo Sereni, Torhüter des Zweitligisten FBC Treviso, machte es ihm nach. Und Weltmeister Alberto Gilardino vom AC Mailand, von der italienischen Schwulenvereinigung zum Sexsymbol gekürt, freute sich sehr über diese Auszeichnung, verbunden mit der Aussage, dass er sich gerne für Kampagnen gegen die Diskriminierung von Randgruppen einsetzen wolle: „Jeder sollte so sein können, wie er möchte, ohne dafür ausgeschlossen zu werden“, so Gilardino.

Lesen Sie im vierten und letzten Teil, wieso auch lesbische Fußballerinnen Anfeindungen ausgesetzt sind.

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 Schwule Fußballer Models als Schutzschild

Jonathan, 23: „Ich weiß nicht, wie andere Vereine auf mich reagieren, wenn Schwulsein doch schon schwierig ist“

„Ich spiele schon immer Fußball, seit den Bambinis. Bis zur C-Jugend habe ich bei den Jungs mitgespielt, danach musste ich weg, weil Jungen und Mädchen getrennt wurden. Ich bin zu einer neuen Mädchenmannschaft im Nachbardorf gegangen. Ich war eine gute Torhüterin, habe bei der Länderauswahl von Baden-Württemberg gespielt, U15. Ich wollte mich karrieremäßig weiterentwickeln und habe mir zwei private Torwarttrainer genommen. Einer hat mich dann zum Probetraining zum FC Bayern gebracht. Zwei Wochen später habe ich einen Anruf bekommen, ob ich dort anfangen möchte, in der Zweiten Bundesliga. Nach der Schule bin ich immer mit dem Zug ins Training, zweieinhalb Stunden hin, zweieinhalb Stunden zurück. Aber das war es mir wert. Irgendwann kam die Nachricht von Bayern, dass sie keinen Platz mehr für mich haben.

Aber hier wurde ich direkt mit offenen Armen empfangen, bin der erste Transgender in der Mannschaft.

Ich war da 18 und spätpubertär, meine Brüste sind gewachsen, meine Hüften breiter geworden. Der Fußball ist weniger geworden, ich musste mich mehr auf die Schule konzentrieren, da kam vieles zusammen. Ich habe mich nur noch ungerne im Spiegel angeschaut, wollte mir meine Brüste am liebsten abreißen und meine Hüften abschleifen. Zu der Zeit habe ich im Schulchor meine jetzige Frau kennengelernt, das war ganz irre, weil sie für mich eine Vertrauensperson war, wie ich sie bis dahin nie hatte. Bei ihr hatte ich keine Hemmungen, zu sagen, dass ich mich in meinem Körper nicht wohl fühle.

Als meine Frau mir dann gesagt hat, man könne das auch operativ machen lassen, bin ich zum Arzt gegangen und habe den ganzen Prozess durchlaufen: Ein Jahr Psychotherapie, Namensänderung, ein Gutachten von einem zweiten Psychologen, dann durfte ich mit Hormonen anfangen. Eigentlich. Ich habe Sportabitur gemacht und musste deshalb noch warten. Hätte ich da schon Hormone genommen, hätte das in der Frauenwertung als Doping gegolten. Hätte ich mich direkt als Mann werten lassen, hätte ich deutlich schlechter abgeschnitten. Seit dem 11. Mai 2016 nehme ich Hormone. Ein knappes Jahr später kamen, Gott sei Dank, meine Brüste ab.

Wie US-Fußballerin Megan Rapinoe es Donald Trump gezeigt hat

In der ganzen Zeit habe ich gar keinen Fußball gespielt. Ich hätte gar nicht gewusst, wo. Bis ich beim CSD 2017 auf das Team München gestoßen bin. Ich habe ihnen danach direkt geschrieben, ohne Fußball geht es eben doch nicht. Und für mich war klar: Wenn, dann nur da. Ich weiß nicht, wie andere Vereine reagiert hätten, wenn das mit dem Schwulsein doch schon schwierig ist. Vielleicht hätte ich auf einem anderen Weg im Tor noch mal was Hochklassigeres spielen können, wer weiß. Aber hier wurde ich direkt mit offenen Armen empfangen, bin der erste Transgender in der Mannschaft. Hier bin ich glücklich. Mit Beleidigungen von anderen Teams werde ich auch selten konfrontiert, aber ich habe schon mitbekommen, dass die anderen Jungs mal angespuckt worden sind oder Beleidigungen an den Kopf bekommen haben.“

Gays-Cruising

Bericht falsche Daten: Ort, Typ, Beschreibung usw.

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Schwuler Zweitliga-Fußballer vor Comingout? Neue Tweets von „gay_Bundesligaspieler“

Am Freitagvormittag hatte er angekündigt, sich nun erstmal auf das Training konzentrieren zu wollen. „Heute Abend mehr“, betonte er auf Twitter. Gesagt, getan. Folgende Botschaft erreichte die Follower zum Wochenend-Start.

Hallo, vielen Dank für euren tollen Support! Sehr überrascht hat mich, dass es so viele positive Stimmen gab! Ich bin aber trotzdem SEHR aufgeregt, denn wenn ich mich jetzt oute, bin ich mir nicht sicher, ob meine Freunde, Familie und Teamkollegen zu mir halten 🙁 .

Sehr überrascht hätten ihn bislang die vielen positiven Stimmen. Doch die Unsicherheit wegen eines bevorstehenden Outings bleibt bestehen. In einem weiteren Tweet schreibt „gay_Bundesligaspieler“: „Auch über den Anschlussvertrag mache ich mir Sorgen. Ganz abgesehen von Sorgen über Drohungen. Warum ich das hier trotzdem mache? Es geht darum, die berechtigte Neugier zu stillen, denn es wurde zu lange zu diesem eigentlich ganz normalen Thema geschwiegen!“

Die User stärken ihm den Rücken: „Ich find’s gut, was du machst! Lass dir von niemanden vorschreiben, wie du zu sein hast“, schreibt ein Nutzer. Eine andere Userin meint: „Egal, welcher Verein… ich kaufe mir dein Trikot mit deinem Namen und ‚Respekt‘ hinten drauf“. 

Twitter-Profil von „gay_Bundesligaspieler“: Gibt es ihn wirklich?

Offenbar hat „gay_Bundesligaspieler“ durch diese Aussagen neuen Mut geschöpft. Er kündigte in einem weiteren Tweet an, dass am Spielfeldrand eine Kamera stehen werde, wenn er sich outen sollte. „Dann werde ich sagen, dass ich schwul bin und dass ich alle Fragen hier schon beantwortet habe“, erklärt er. Zum Schluss hat er noch eine besondere Hoffnung: „Vielleicht werden ja jetzt noch mehr schwule Spieler anfangen, zu twittern.“

Nun stehe aber erst einmal das „eigentliche Spiel“ an, auf das er sich konzentrieren möchte. Nach dem Wochenende will sich „gay_Bundesligaspieler“ aber wieder melden. Sollte der Account tatsächlich echt sein, der Spieler selbst getwittert haben und alle Angaben der Wahrheit entsprechen, könnte man wohl schon vier Zweitligisten ausschließen, bei denen er derzeit unter Vertrag steht. Die Beiträge gingen um 18.26 Uhr online, um 18.30 Uhr wurden am Freitag die Partien Fürth gegen Dresden und Aue gegen Nürnberg angepfiffen. 

Allerdings könnte „gay_Bundesligaspieler“ momentan natürlich auch verletzt oder gesperrt sein und deshalb nicht im Kader stehen. Aktuell (Stand: 19. Oktober, 9.54 Uhr) hat der Account 9450 Follower.

In der Bundesliga hofft der FC Bayern München dagegen, am Samstag im Derby gegen Augsburg wieder in die Erfolgsspur zu kommen. Hier gibt es den Live-Ticker verpassen Sie außerdem nichts zum Borussen-Duell zwischen Dortmund und Mönchengladbach.

Outing von Profifußballer? Neues Twitter-Profil von „gay_Bundesligaspieler“

Nun scheint sich jedoch ein noch aktiver Fußballer zu seiner Homosexualität bekennen zu wollen. Seit Mittwoch (16. Oktober) ist ein Twitter-Profil aktiv, dessen Nutzer sich „gay_Bundesligaspieler“ nennt. Im Profilbild ist die Regenbogenfahne zu sehen – ein international verbreitetes Symbol der Lesben- und Schwulenbewegung.

In seinem ersten Eintrag schrieb der Twitter-User: „Ich bin ein schwuler Spieler der 2. Bundesliga. Ich möchte mich bald outen, um das Versteckspiel zu beenden. Ich teste hier, ob ich den Druck aushalten kann… Ask me anything!“ Die Follower werden also direkt dazu aufgefordert, mit der Person zu kommunizieren. Bereits nach zwei Tagen sammelte der Tweet knapp 1800 Likes.

Als Fussballtrainer hat der Niederländer Louis van Gaal (68) mit den berühmtesten Clubs dieser Welt gearbeitet: Bayern München, Barcelona und Manchester United. Gerade ist eine 288 Seiten Biografie über ihn erschienen, in der das Wort «homosexuell» nicht vorkommt. Weil er nie einem schwulen Spieler begegnet ist? Die niederländische Zeitschrift sprach den Star-Coach-im-Ruhestand darauf an und bekam einige verblüffende Antworten.

Laut Interview mit van Gaal werde über das Thema im Allgemeinen in der Fussballwelt nicht gesprochen. «In der Fussballwelt herrschen altmodische Hierarchien und ein sehr konservatives Denken und Handeln. Und im Prinzip ist der homosexuelle Mensch auch so, denn er hat Angst vor den Konsequenzen. Warum sollte er sonst sein innerstes ‹Wesen› nicht zeigen? Weil es nicht akzeptziert würde? Gerade in der Abgeschlossenheit der Umkleidekabinen würde das sehr wohl akzeptiert werden. Aber es gab bislang noch keinen Fussballer mitten in der Karriere, der diesen Schritt getan hat.» Deswegen sei es laut van Gaal auch nicht verwunderlich, dass darüber nicht gesprochen werde. Er betont gleichzeitig, dass er immer ein «sehr neugieriger» Coach gewesen sei, der das Coming-out eines Spielers unterstützt hätte: «Ich bin selbst jemand, der keine Rolle spielen möchte und immer ich selbst bleiben will. Das würde ich auch allen anderen Menschen wünschen, also auch einem schwulen Fussballer.» (MANNSCHAFT berichtete über das jüngste Outing des Spielers Thomas Beattie.)

Deshalb ist van Gaal Mitglied in einer niederländischen Vereinigung, die versucht, Einfluss auf die Regierung zu nehmen, um den Schulunterricht so zu gestalten, dass Sexualkunde in breiterem Masse ins Curriculum integriert werde. «Jong geleerd is oud gedaan», sagt van Gaal, also «Wer etwas jung lernt, lebt im Alter auch danach». Das habe seiner Meinung nach auch Einfluss auf den Fussball. Van Gaal war u. a. Trainer der niederländischen Nationalmannschaft.

Keine selbstgewählte Identität zertrümmernSelbst wenn er bei Treffen mit Spielern nach «Partnern» statt «Freundinnen» fragte, um niemanden vorab in eine Schablone zu stecken, sei nicht ein einziger Spieler in seiner Karriere zu ihm gekommen und hätte gesagt: ‹Ich bin homo.› Er habe es zwar sehr oft gedacht und vermutet bei Spielern, aber wenn die betroffenen Personen nicht selbst davon anfangen zu sprechen, dann wollte er ihnen das Thema nicht von seiner Seite aufdrängen. Seine Aufgabe als Coach sei es gewesen, Spieler zu beschützen. «Die meisten von ihnen sind verheiratet und haben Frau und Kinder. Das kann ich ihnen wirklich nicht antun.» Es sei nicht an ihm, ihre selbstgewählte und -aufgebaute Identität zu zertrümmern.

Grundsätzlich glaubt van Gaal, dass einem schwulen Spieler nichts im Weg stehen würde, um offen und frei mit der eigenen Sexualität umzugehen. «Davon bin ich hundertprozentig überzeugt», sagt der Ex-Coach. Ihm sei sogar aufgefallen, dass meistens die kreativeren Spieler diejenigen waren, die homosexuell sind. «Und genau solche Spieler sind in der Fussballwelt besonders wertvoll. Mit anderen Worten: Sie werden geschätzt für ihre aussergewöhnlichen Spielerqualitäten.»

Als Unterstützer von LGBTIQ ist van Gaal bereits 2013 beim Gay Pride in Amsterdam auf einem Regenbogen-Fussballboot auf den Grachten mitgefahren. Aus der «Homosexuellenwelt» habe er dafür viele Komplimente erhalten, aus der Heterowelt allerdings sehr wenig, so van Gaal. Das fand er erstaunlich. Noch erstaunlicher waren Fragen in den Medien, ob er nochmal mitfahren würde – und was er selbst eigentlich sei.

Gerede nicht widerstandlos hinnehmenJetzt wolle er sich in den Ruhestand zurückziehen und nicht mehr so viel in der Öffentlichkeit auftreten. Trotzdem antwortete er auf die Frage von Gaykrant, was er einem schwulen Spieler heute raten würde: «Ich würde ihn warnen, dass man viel Mut und Kraft für ein Coming-out braucht, denn die Fussballwelt und die oft sehr wütende Welt um uns herum empfindet alle normabweichenden Orientierungen als Problem. Trotzdem ist es immer besser sich zu outen, weil man möglichst man selbst sein sollte – und nicht einfach widerspruchslos hinnehmen darf, was so alles geredet wird.»

Er selbst habe für sein auffallend anderes Benehmen ebenfalls viel Kritik aushalten müssen. «Da muss man durch», sagt er heute

Er selbst habe für sein auffallend anderes Benehmen ebenfalls viel Kritik aushalten müssen. «Da muss man durch», sagt er heute. Homosexualität werde von vielen Menschen nach wie vor als «Abweichung» betrachtet, oft sogar mit Verweis auf Gott abgelehnt. Sich als Fussballer dagegen zu stemmen, wäre wegweisend, man müsse aber auch fragen, ob solch ein Kraftakt zu einem selbst passe.

Deshalb glaubt van Gaal, dass es länger dauern werde als viele glauben, bis ein aktiver Profispieler in der Top-Liga sich das antun werde. Wichtig sei, sich Verbündete zu suchen, die positive Zeichen setzen. Er nennt explizit den niederländischen Rapper Ali B: «Er ist Marokkaner, es wäre also sehr hilfreich, wenn er ein wohlwollendes Auge hätte fürs Thema Homosexualität. Oder jemand wie Georginio Wijnaldum [von der niederländischen Nationalmannschaft, Anm.]. Der kann als PoC Vergleiche anstellen, wie es ist, als Mensch benachteiligt zu werden für etwas, was man einfach ist. Ich kann mir nicht vorstellen, dass er das [Akzeptanz von Homosexualität, Anm.] nicht unterstützen würde.»