#AmplifyBlackVoices: Dr. Roxane Gay

Feminist, Author, Writer, Professor, Publisher, NYT Columnist

Roxane Gay’s writing appears in Best American Mystery Stories 2014, Best American Short Stories 2012, Best Sex Writing 2012, A Public Space, McSweeney’s, Tin House, Oxford American, American Short Fiction, Virginia Quarterly Review, and many others. She is a contributing opinion writer for the New York Times. She is the author of the books Ayiti, An Untamed State, the New York Times bestselling Bad Feminist, the nationally bestselling Difficult Women and the New York Times bestselling Hunger. She is also the author of World of Wakanda for Marvel. She has several books forthcoming and is also at work on television and film projects.

Excerpted from Strong Opposition: Carrying the Burden of Being Strong (Bitch, Winter 13, Issue 57)

The “strong black woman” archetype has persisted for so long it has taken on mythic proportions, and black women have long been paying the rice for shouldering it. No matter how well-intended its source, the phrase is not a compliment. It belies a set of assumptions and perpetuates a narrow-mindedness that prioritizes singular narratives over the complexities of human experience.

A “strong black woman” is imposing, intimidating, and oftentimes angry. She is selfless and independent. She is resourceful. She is stoic and suffers in silence. She gives and gives and gives until even the marrow has been sucked out of her bones. She is assigned an otherness when the “strong black woman” label is applied to her. She is different from everyone else. She is a woman apart.

Black women have often needed to be strong. During slavery, black women faced the constant threat of rape and separation from their partners and/or children. Keeping a family together was a nearly impossible feat, and they did what they could to simply survive.

In the wake of slavery, black women entered the domestic workplace where they had to deal with the same dangers they faced during slavery, while raising other people’s children in addition their own.

Roxane Gay über Feminismus und #MeToo: „Wir sind nicht das Problem“

Roxane Gay ist witzig, radikal ehrlich und eine der einflussreichsten Feminist_innen. Sie spricht über fehlende Nuancen bei #MeToo, dicke Körper und Rassismus.

taz: Wann haben Sie sich das letzte Mal wie eine bad feminist, eine schlechte Feministin, gefühlt, Frau Gay?

Roxane Gay: Eigentlich fühle ich mich jeden Tag so. Aber ein konkretes Beispiel: Neulich sprach ich mit ein paar Leuten über den Comedian Aziz Ansari, dem sexuelle Belästigung vorgeworfen wird. Ich sagte, ich finde sein Verhalten problematisch, aber man sollte ihn nicht in einen Topf werfen mit Bill Cosby und Harvey Weinstein. Was Ansari getan hat, zeugt von schlechtem Geschmack und einem fehlenden Verständnis von enthusiastischem Konsens, aber es ist nicht dasselbe wie Vergewaltigung. Ich wünsche mir mehr Nuancen in dieser Diskussion. Und fühle mich zugleich wie eine schlechte Feministin dabei.

Ich erinnere mich, dass Sie sich im vergangenen Jahr, als dem Schriftsteller Junot Díaz sexuelle Übergriffe vorgeworfen wurden, auf Twitter gewünscht haben, dass es zu weitreichenderen Konversationen kommt als zu der bloßen Aufforderung: „Cancel Junot Díaz“.

Das stimmt. Wir führen in letzter Zeit sehr engstirnige Diskussionen, die nur darin resultieren, zu sagen: „Diese und jene Person sind nun gecancelled.“ Doch cancel culture ändert nichts an dem grundsätzlichen Problem, sondern entfernt es bloß aus unserem Sichtfeld. Ich persönlich mag Junot Díaz überhaupt nicht. Ich finde seine Texte auch misogyn. Aber sein Werk nun einfach löschen zu wollen, ohne über die Kultur zu sprechen, die sein Werk hervorgebracht hat, und die dafür gesorgt hat, dass er damit erfolgreich wird und Menschen missbrauchen kann, ohne dafür bestraft zu werden – das ist ein großes Problem.

Ihr Essayband „Bad Feminist“ ist in den USA 2014 erschienen, war ein New-York-Times- Bestseller und verkauft sich immer noch sehr gut. Nun erscheint er auch in deutscher Sprache. Sie schreiben darin, dass Sie sich lange weigerten, sich als Feministin zu bezeichnen, weil Sie dachten, das seien militante, Männer hassende Frauen. Inzwischen gilt es ja schon als cool, Feministin zu sein dank Beyoncés Bekenntnis und T-Shirt-Prints bei Textildiscountern. Glauben Sie, das hilft der Sache?

Ja, das denke ich schon. Der Trend ist eine Art Toreinfahrt, er eröffnet das Gespräch zumindest. Natürlich ist es ein Problem zu glauben, zwei Sätze von Taylor Swift oder von ­Beyoncé seien genug, um das Konzept Feminismus zu verstehen. Aber wenn das junge Leute zum Anlass nehmen, sich mit Feminismus ernsthaft zu beschäftigen und mehr darüber zu lesen, dann ist das fabelhaft. Junge Frauen und auch junge Männer brauchen diese Art von Anstoß einfach, um sich zu politisieren.

Sie unterscheiden ja auch zwischen Feminismen. So kritisieren Sie zum Beispiel den „essenziellen Feminismus“, einen prinzipientreuen Feminismus für weiße, heterosexuelle, privilegierte Frauen – der Ihrem intersektionalen Ansatz komplett widerspricht. Nun leben wir in Zeiten, in denen reproduktive Rechte immer noch infrage gestellt werden und Antifeministen sich gegen die Gleichberechtigung positionieren. Müssen wir nicht versuchen, Allianzen zu bilden? Und wenn ja, wie können Feminist_innen of Color mit solchen zusammenarbeiten, die teilweise rassistisch agieren?

Mit Menschen zusammenzuarbeiten bedeutet nicht, dass man ihnen erlaubt, einen schlecht zu behandeln

Die Frage ist eher, wie können die mit uns zusammenarbeiten. Denn: Wir sind nicht das Problem. Und das ist die große Herausforderung. Ich finde Koalitionen wichtig. Frauen mit unterschiedlichen Lebensrealitäten sollten sich auf jeden Fall austauschen. Denn nur so können wir die Einheit erreichen, die nötig ist, um die Dinge zu verändern. Aber mit Menschen zusammenzuarbeiten bedeutet nicht, dass man ihnen erlaubt, einen schlecht zu behandeln und an ihren lächerlichen Ideen festzuhalten. Die Bedürfnisse von weißen Frauen sollten definitiv nicht die Priorität sein, diese Frauen müssen lernen, dass sie nicht besser oder wichtiger sind. Und das war schon immer das größte Problem: auf Augenhöhe sprechen, sich auf gemeinsame Werte zu einigen.

Wie ist das nun mit einem US-Präsidenten, dem von mehreren Frauen vorgeworfen wird, sie vergewaltigt zu haben. Hilft es nicht, einen gemeinsamen Feind zu haben?

Ein gemeinsamer Feind kann helfen. Aber schauen wir uns nur den US-Kongress an: Dort haben die Demokraten eine Mehrheit und einen gemeinsamen Feind. Trotzdem spalten sie sich in verschiedene Gruppen. Da sind diese neuen, coolen Frauen Alexandria Ocasio-Cortez, Ilhan Omar und Rashida Tlaib, die den älteren Parteimitgliedern regelrecht Angst einjagen, weil sie populär sind und radikale Ideen haben. Nun fängt sogar Kongresssprecherin Nancy Pelosi damit an, diese Frauen öffentlich schlechtzureden und sich ihnen gegenüber unsolidarisch zu verhalten. Dabei müssten sie nicht gegenein­ander kämpfen, sondern alles in ihrer Macht Stehende tun, um Donald Trump aus dem Amt zu jagen.

Roxane Gay über Feminismus und #MeToo: „Wir sind nicht das Problem“

About me.

I am a writer, editor, cultural critic and I even have a podcast, Hear to Slay, that I co-host with the one and only Tressie McMillan Cottom. I am from Omaha, Nebraska and currently split my time between Los Angeles and New York. I have lived most of my life in the Midwest and many of those years were spent in very rural places. I am the daughter of Haitian immigrants. I have written a great many things in publications like Harper’s Bazaar, McSweeney’s, Virginia Quarterly Review, Town & Country, Black Warrior Review, A Public Space and I won’t bore you with it all. I write books, some of which are New York Times bestsellers—AyitiAn Untamed StateBad Feminist, Difficult Womenand . I edited Not That Bad: Dispatches from Rape Culture and The Selected Works of Audre Lorde. I co-wrote the graphic novel The Sacrifice of Darkness. I am a contributing opinion writer for the New York Times where I also write the “Work FriendI edited Best American Short Stories 2018. I was the first black woman to lead a Marvel comic when I wrote . I now write comics for TKO StudiosThe Banks, and up next, The Ends. This one time, I was on the L Word: Generation Q. I am working on some film & television projects and I have a couple other secret projects in the works that you will hear about here as they unfold. Sometimes, I am an academic. I only make men call me Dr. Gay. That’s self-explanatory.

About me.

Dr. Roxane Gay delivers Center for the Arts and Humanities keynote

Doctor Roxane Gay delivered the Center for the Arts and Humanities keynote speech in Lorimer Chapel on April 23. Due to high interest, the College also live-streamed the event in the Lovejoy Building.

Gay is a contributing opinion writer for the New York Times, the author of the books Ayiti, An Untamed State, Difficult Women and the New York Times best-seller Bad Feminist. She is also the author of World of Wakanda for Marvel.

The talk took the form of a conversation between Gay and Assistant Professor of English Arisa A. White.

In her speech, Gay discussed how it is a privilege to feel safe in an environment, saying that “one of the greatest problems of our age is the fact that safety is a commodity.” Gay elaborated that “when you’re a wealthy white man, the world is your safe space.”

Gay addressed Akon Day, a party that took place on Nov. 3 in which Colby students wore racist outfits, describing it as “pathetic” and commenting, “often times racists are very dumb and unimaginative, and so banal.”

Speaking about the administration’s response to the party, Gay stated, “the administration has to do more than say we don’t tolerate racism.” Specifically, she said the administration can “do better than making empty statements and making students of color feel isolated.” The administration needs to “call people out.” Gay added, “it’s not a Colby problem; it’s an American problem.”

After discussing the College’s administration, Gay talked about her family’s significant role in supporting her both personally and in her career. She said, “we don’t hear enough about supportive black families and nuclear intact black families.”

Gay fondly described her father as a “fan-girl” who rearranges bookstores to put copies of Gay’s book in the front of the store.

When asked what she had learned about love in the course of her writing, Gay emphasized the importance of redemption. She said that when people do wrong, we need to consider “how do we create space for them to re-enter into a community?” Gay went on to say, “we do need to find ways to allow for redemption, and that can be love if we allow people to apologize and repair.” However, she acknowledged, “we are often times still so angry because we don’t want to talk about redemption, and that’s because redemption comes into the conversation too soon.”

During the question and answer session following her talk, Gay was asked, “how do you shame the shameless?” specifically in reference to the Colby administration.

Gay replied that she thinks we have to find ways to “work around the shameless. Energy is finite, and you can exhaust yourself doing the impossible.” She noted that the College’s administration “counts on that temporality, because they know you are going to go after four years.”

Another person asked, “how do you hold the administration accountable when they’re not?” In response, Gay recommended that students bring important Colby issues to the attention of large media outlets, such as the Boston Globe, to get the attention of the administration.

White told the Echo after the talk, “Roxane [Gay’s] honesty and her willingness to offer some willing and realistic answers to students for these hard issues on campus was amazing.”

Center for the Arts and Humanities Coordinator Megan E. Fossa told the Echo that Gay visited four classes at the College. Fossa also invited students fromvarious clubs/groups to meet with Gay during her time at the College. Fossa described Gay as “an extraordinary advocate for making marginalized parts of America’s diverse populations. As a culture critic, she gives voice to people of color, the LGBTQI community, people with body image issues, and more.”

Dr. Roxane Gay delivers Center for the Arts and Humanities keynote

„Bad Feminist“ Roxane Gay: Versöhnlich im Ton, hart in der Sache

Die Bücher der 44-jährigen US-amerikanischen Autorin sind das Beste, was es über Rassismus, Geschlecht, Dickenhass und Populärkultur zu lesen gibt.

Noch vor ein paar Jahren wäre man wohl etwas ratlos vor einem Buch mit dem Titel gestanden. „Feministin“ hat bis vor wenigen Jahren schon für ein „Bekenntnis“ gereicht. Heute fühlen sich – nach dem großen Erfolg dieser Essaysammlung von Roxane Gay zu schließen – offenbar viele von der Beichte, eine „schlechte Feministin“ zu sein, angesprochen. „Ich bin eine schlechte Feministin, weil ich nicht auf den Sockel gestellt werden will.

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Unsere Frau der Woche: Roxane Gay

“Ich versage als Frau. Ich versage als Feministin. Ich glaube aus ganzem Herzen an Gleichberechtigung, aber ich befürchte, dass es gegenüber guten Feministen nicht gerecht wäre, mich einfach “Feministin” zu nennen. Ich bin eine Feministin, aber eine eher schlechte. Also nenne ich mich eine ‘schlechte Feministin’.”

Die schlechte Feministin heißt Roxane Gay. Sie liebt Dinge, die mit der feministischen Ideologie im Widerspruch stehen könnten. Sie hört gern sehr lauten, aggressiven Rap, obwohl die Texte Frauen erniedrigen. Pink ist ihre Lieblingsfarbe. Sie liebt Modemagazine und schöne Dinge. Trotzdem nennt sie sich eine Feministin, aber eine eher schlechte.

Roxane Gay ist eine US-amerikanische Autorin, Professorin für Englisch an der Purdue University, Gründerin der „Tiny Hardcore Press“, Redakteurin für „The Rumpus“ und Kommentatorin der „PANK“. Sie ist die Autorin des New York Times Bestsellers „Bad Feminist“ sowie des Romans „An Untamed State“ und der Memoiren „Hunger“.

Sie ist eine haitische Amerikanerin und wurde 1974 in Nebraska, in den USA geboren. Sie ist mit einer guten Ausbildung in wohlhabenden Verhältnissen aufgewachsen. Als sie 12 Jahre alt war, kam es zu einem Vorfall. Sie wurde von mehreren Jungen sexuell missbraucht. Roxane Gay beschreibt, wie ihr durch diesen Vorfall die Stimme gestohlen wurde und sie es nicht mehr wagte zu glauben, dass irgendetwas, was sie sagte, von Bedeutung sei. Doch der Feminismus hat ihr geholfen, ihre verlorene Stimme wieder zurückzuerlangen.

„Durch Schreiben und Feminismus fand ich auch heraus, dass wenn ich ein bisschen mutig wäre, eine andere Frau mich hören und sehen und verstehen könnte, dass keine von uns so wertlos ist, wie die Welt uns glauben machen will.“

[Rezension] “Hunger” von Roxane Gay

Nachdem ich im Mai bereits Bad Feminist gelesen habe, bei dem es sich um eine Essay-Sammlung zu feministischen Themen handelt, war ich schon sehr gespannt auf Roxane Gays autobiografisches Buch Hunger, in dem sie die Geschichte ihres Körpers erzählt.

Hear to Slay is the black feminist podcast of your dreams—compelling conversations curated in only the way black women can. Each week, Roxane Gay and Tressie McMillan Cottom offer uncommonly incisive reads of the politics that shape the world we live in and the popular culture we consume.

If you want to laugh as much as you want to be challenged, if you’re seriously smart but refuse to take yourself too seriously at all, come a little closer because we are here and hear, to slay.

Explore America’s failures in teaching Black history with Dr. Cornel West, Roxane Gay & Darren Walker

SiriusXM will broadcast Righting History, a SiriusXM special made in collaboration with Axios on HBO about the failures of the American educational system in teaching Black history. The program will air on February 27 at 2pm and 11pm ET and on February 28 at 12pm ET on Urban View (Ch. 126)This hour-long special features audio from three influential people: philosopher, political activist, and writer Dr. Cornel WestRoxane Gay; and President of the Ford Foundation Darren Walker. These interviews were originally filmed for a segment on the acclaimed news and documentary series Axios on HBO and will premiere exclusively on SiriusXM Urban View. The interviews take a deeper dive into the education system’s failure to thoroughly teach the history of African American and Indigenous people, and the broader effect on society.

During the special, Dr. Cornel West talks about his memories of Black history in school:

Roxane Gay speaks about moments from her childhood, growing up in a racist institution, and when she realized there was a significant “gap in my education”:

Darren Walker says he cannot recall learning about Black history during his education:

„Ich bin lieber eine schlechte Feministin als gar keine“

Roxane Gays „Bad Feminist“ wurde im Jahr 2014 veröffentlicht und zum New York Times Bestseller. „Bad Feminist“ widmet sich vielen Themen, sowohl persönlichen als auch politischen. Das Buch beschäftigt sich mit der Analyse und Dekonstruktion von feministischen und rassistischen Fragen durch die Linse ihrer persönlichen Erfahrungen mit Rasse, Geschlechtsidentität und Sexualität. Roxane Gay schreibt ehrlich und direkt. Sie hat einen guten Humor, der Menschen zum Lachen bringt, aber auch über Tatsachen nachdenken lässt. Ihre Bücher können wie ein spannender Roman gelesen werden, aber geben den Leser*innen gleichzeitig, ganz wie ein akademisches Buch, Wissen und Selbstprüfung mit auf den Weg. Diese Merkmale sind die Gründe, warum ihre Bücher so beliebt sind.

In „Bad Feminist“ hat Roxane Gay erklärt, dass wir unrealistische Erwartungen vom Feminismus haben und erwarten, dass Feminist*innen sich perfekt darstellen müssen. Deswegen haben viele Frauen* Angst aufzustehen und zu sagen: „Ja, ich bin eine Feministin*!“

Wir sind Menschen und Menschen sind nicht perfekt. Roxane Gay behauptet, dass wir alle Formen des Feminismus akzeptieren sollten, ob dieser gut, schlecht oder irgendetwas dazwischen ist. So wie ihr der Feminismus geholfen hat, glaubt sie, dass Feminismus in der Lage ist, allen Frauen* zu helfen. Aber wir sollten ein bisschen mutiger sein, um es Frauen* leichter zu machen Gleichstellung zu erreichen.

„In einer Hand halte ich die Macht alles zu erreichen. In der anderen halte ich die demütige Wahrheit, dass ich nur eine einzelne Frau bin. Ich bin eine schlechte Feministin. Ich bin eine gute Frau. Ich versuche besser darin zu werden, was ich denke und was ich sage und was ich mache, ohne alles aufzugeben, was mich zum Menschen macht. Ich hoffe, wir können das alle. Ich hoffe, dass wir alle ein wenig mutiger sein können, wenn wir solchen Mut am meisten brauchen.“

Alle Zitate sind aus Roxane Gays TED Vortrag „Geständnisse einer schlechten Feministin“.

Roxane Gay

Roxane Gay’s writing appears in Best American Nonrequired Reading 2018, Best American Mystery Stories 2014, Best American Short Stories 2012, Best Sex Writing 2012, Harper’s Bazaar, A Public Space, McSweeney’s, Tin House, Oxford American, American Short Fiction, Virginia Quarterly Review, and many others. She is a contributing opinion writer for The New York Times. She is the author of the books Ayiti, An Untamed State, the New York Times bestselling Bad Feminist, the nationally bestselling Difficult Women and New York Times bestselling Hunger: A Memoir of My Body. She is also the author of World of Wakanda for Marvel and the editor of Best American Short Stories 2018. She is currently at work on film and television projects, a book of writing advice, an essay collection about television and culture, and a YA novel entitled The Year I Learned Everything. In 2018, she won a Guggenheim fellowship.

Roxane Gay

Roxane Gay, geboren 1974, ist eine US-amerikanische Schriftstellerin und Professorin an der Yale University für Englisch und kreatives ­Schreiben.

Best­seller und beschäftigt sich mit der Frage, wie Feminismus in unserer heutigen Gesellschaft aussehen kann. In „Hunger: Die Geschichte meines Körpers“ schreibt Gay sehr persönlich von ihrem Leben als Schwarze dicke Frau. Beide Bücher sind diesen Frühling im btb-Verlag auf Deutsch erschienen.

Es gibt noch ein zweites Buch von Ihnen, das nun auf Deutsch erscheint: Mit „Hunger“ haben Sie ein Memoir geschrieben, in dem es um ihre schwierige Beziehung zu ihrem Körper und seinem Gewicht geht, das irgendwann 261 Kilogramm erreichte. Wie lief die Pressetour dazu in den USA?

Es war eine einzige Shitshow. In den USA ist das Buch ja schon zwei Jahre raus, deshalb kann ich dort nun sagen, ich spreche mit Journalist_innen nicht mehr darüber. Sie stellen meistens sowieso sehr dumme und dickenfeindliche Fragen. Es ist vor allem so frustrierend, weil ich ein ganzes Buch über alle Facetten des gesellschaftlichen Diskurses über das Dicksein geschrieben habe, und bei vielen Leuten scheint nichts davon angekommen zu sein. Es kann aber auch sein, dass manche Journalist_innen das Buch überhaupt nicht gelesen haben.

„Unbändige Körper“ ist ein Ausdruck, den Sie in „Hunger“ immer wieder verwenden. Was gefällt Ihnen daran?

Wir haben sehr steife Ansichten darüber, wie Körper auszusehen und sich zu verhalten haben. Wenn man einen Körper hat, der sich diesen Regeln widersetzt – ob nun willentlich oder nicht –, dann ist dieser Körper widerspenstig, unbändig. Ich finde, es ist ein schöner Ausdruck, der Körper beschreibt, welche der Norm widerstreben.

In dem Buch beschreiben Sie, wie Sie sich gegen eine ­Magenverkleinerung entscheiden …

… ja, aber nach Erscheinen des Buchs habe ich mich doch dieser Operation unterzogen.

Darf ich fragen, inwiefern das Ihr Leben verändert hat?

Klar. Es ist eine drastische Veränderung. Ich war sehr gegen diese Operation aufgrund der brutalen Risiken. Aber nun bin ich wirklich froh, es doch getan zu haben. Ich bereue es nicht und würde es wieder tun. In „Hunger“ schreibe ich ja: „Je dicker du bist, desto kleiner wird deine Welt.“ Denn es gibt viel weniger Orte, in die du physisch hineinpasst. Eines der besten Ergebnisse dieser Operation ist, dass sich die Welt mir nun ganz neu öffnet. Ich kann mich viel freier bewegen.

Na ja, Menschen sind immer noch Menschen, und ich bin immer noch fett. Es liegt noch ein weiter Weg vor mir. Aber ich werde auf jeden Fall besser behandelt, und das ist echt frustrierend zu sehen. Nicht nur Fremde, auch Leute, die ich kenne, also entfernte Bekannte, sind plötzlich viel freundlicher zu mir. Und es widert mich an. Weil ich denke: Okay, jetzt habe ich plötzlich einen Wert für dich? Jetzt, wo ich deinen Erwartungen davon, wie ein Körper auszusehen hat, näher komme?

Sie schildern in „Hunger“, wie Sie als Zwölfjährige von einer Gruppe von Jungs vergewaltigt wurden. Wie schwer ist es Ihnen gefallen, diese Erfahrung öffentlich zu machen?

Es war nicht allzu schwer, weil es schon so lange her ist. Ich habe mich mit der Sache bereits in jahrelanger Therapie auseinandergesetzt. Viel schwieriger war es für mich, über das Dicksein zu schreiben. Die Vergewaltigung war schrecklich und hat mich verändert, aber ich bin längst darüber hinweg.

Kurz nachdem die #MeToo-Bewegung so populär wurde, haben Sie auch die Anthologie „Not that bad“ mit Essays von Überlebenden von Vergewaltigung veröffentlicht. Warum ist es wichtig, dass diese Geschichten erzählt werden?

Es war einfach seltsam, dass so viele Männer nach #MeToo plötzlich meinten: „Oh, ich wusste ja nicht, dass es so schlimm ist.“ Obwohl Frauen schon seit Ewigkeiten dar­über sprechen, wie schlimm es ist. Wer auch immer jetzt überrascht ist, den hat es vorher anscheinend nicht interessiert. An #MeToo fand ich toll, dass so viele Frauen plötzlich nach Jahrzehnten die Sicherheit hatten, ihre Geschichten erzählen zu können und gehört zu werden. Gleichzeitig sollten keine Frau und kein Mann das Gefühl haben, sie müssten von ihren Erfahrungen erzählen. Niemand muss das tun. Ich denke nur, dass es hilfreich sein kann, Geschichten von anderen zu lesen und zu wissen, dass man nicht allein ist.

Sie sind eine sehr produktive Autorin. Sie schreiben Sachbücher, Romane, Kurzgeschichten, Artikel für die New York Times, Sie haben nun mit ein eigenes Onlinemagazin, mit „hear to slay“ einen Podcast, und Sie unterrichten an der Universität von Yale. Wie machen Sie das alles bloß?

… Ihre Arbeitgeber_innen sind sicher geduldig mit Ihnen.

Ja, das sind sie. Denn sie wissen, wenn ich abliefere, dann ist es meistens halbwegs gute Arbeit. Ich bin eine ehrgeizige Person, sobald ich eine Idee habe, schreibe ich sehr schnell. Außerdem habe ich keine Kinder, was eine unglaubliche Freiheit bedeutet. Das könnte sich bald ändern, ich überlege gerade, mit meiner Partnerin ein Kind zu bekommen, aber selbst dann wäre es nur eins, und ich wäre nicht alleinerziehend, was schon ein besonderes Privileg ist.

Repräsentation in der Popkultur ist ein Thema, mit dem Sie sich in vielen Texten beschäftigen. Neulich wurde bekannt gegeben, dass Disney die Schwarze Schauspielerin Halle Bailey für den neuen „Arielle“-Film gecastet hat. Das führte zu großen Diskussionen in den sozialen Netzwerken. Ist Disney inzwischen progressiver als die Gesellschaft?

Nein, Disney trifft nur eine profitable Business-Entscheidung. Machen wir uns nichts vor. Ich glaube, dieses Beispiel zeigt nur, wie weitreichend Rassismus ist. Meerjungfrauen sind nicht echt. Warum sollten sie nicht Schwarz sein können? Menschen, die so denken, sind einfach nur dumm und rassistisch. Aber Disney hat eine große Rolle dabei gespielt, uns mit Bildern von Prinzessinnen und Heldinnen zu füttern, die immer weiß und immer schlank sind.

Meine Nichte sieht zum Beispiel nicht so aus, aber sie ist definitiv eine Prinzessin. Und sie verdient es, Bilder zu sehen, die ihr das spiegeln, die ihr alle Möglichkeiten von Rollen aufzeigen, in die sie schlüpfen kann. Man kann jetzt sagen: „Ist doch bloß eine blöde Prinzessin!“ Aber es ist mehr als das. Repräsentation prägt unser Selbstbewusstsein. Deshalb ist es wichtig, was Disney gerade tut, wenn auch nicht aus den edelsten Absichten.

Aber wäre es nicht noch mehr Empowerment, eine Schwarze Person zu casten, die nicht derart schlank ist und dem Hollywood-Schönheitsideal entspricht?

Na klar wäre es das. Und genau das ist der intersektionale Ansatz: Sich nicht mit einer einzigen Sache zufrieden zu geben, als würde es unser Problem lösen. Sondern zu schauen: Was sind all die anderen Faktoren, die das Frauenbild in diesen Filmen so problematisch machen? Es wäre toll, einen Film über eine gewöhnliche Schwarze, nicht schlanke Person zu sehen. Aber ganz ehrlich: Keiner würde sich diesen Film anschauen wollen. Jeder würde auf die Szene warten, in der die Frau umgestylt wird und plötzlich attraktiv ist.

Sie schrieben mal, dass sie auf keinen Fall auf ein Podest gestellt werden wollen als eine Art Vorzeigefeministin. Inzwischen aber gehören Sie zu den einflussreichsten Feminist_innen unserer Zeit, Sie haben eine Menge Fans. Wie geht es Ihnen damit?

Es ist komisch, dass Menschen zu mir aufsehen, ich versuche mit dieser Verantwortung klarzukommen und gebe mir Mühe, gute Arbeit zu leisten. Aber ich erlaube mir auch, ich selbst zu sein und Fehler zu machen. Anders kann ich nicht funktionieren. Ich kann es nicht allen recht machen. Meine Leser_in­nen werden auch mal enttäuscht sein von mir, das lässt sich nicht vermeiden.

Viele Leser_innen schätzen Sie gerade für Ihre radikale Ehrlichkeit. Ihre Texte sind häufig sehr persönlich, drehen sich um ihre eigenen Unzulänglichkeiten. Doch wie viel geben Sie tatsächlich von sich preis?

Ich schütze mich, indem ich mir ganz klare Grenzen setze. Es gibt eine Menge Dinge, die ich in meinen Texten nicht erwähne. Und ich würde allen Autor_innen raten, sich mit den eigenen Grenzen immer wieder aufs Neue auseinanderzusetzen. Gerade von People of Color und queeren Menschen wird in der Verlagsbranche oft erwartet, dass sie alle ihre Traumata auspacken. Man sollte dem widerstehen. Schreiben ist nicht Therapie. Therapie ist Therapie. Wenn du traumatisiert bist, solltest du eine_n Psycholog_in aufsuchen. Vielleicht kannst du im Anschluss darüber schreiben. Vielleicht nicht. Aber was ich sagen will: Man kann ehrlich sein und trotzdem Grenzen setzen.

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf oder über das Kontaktformular.

mowgli

Zitat: „Es wäre toll, einen Film über eine gewöhnliche Schwarze, nicht schlanke Person zu sehen. Aber ganz ehrlich: Keiner würde sich diesen Film anschauen wollen. Jeder würde auf die Szene warten, in der die Frau umgestylt wird und plötzlich attraktiv ist.“

Vermutlich ist das so. Denn Bilder beeinflussen Menschen. Vor allem, wenn sie noch auf der Suche nach ihrer Identität sind. Wer sich als Kind dem Schönheitsideal Walt Disneys ergeben und als Teenager seinen rebellierenden Körper mit Diäten, Haarglättungen und anderen Kriegslisten so weit unter Kontrolle gebracht hat, dass er sich mit Arielle halbwegs identifizieren konnte, der wird später wenig Neigung zeigen, sich diese Ochsen-Tour noch einmal rückwärts anzutun, nur weil die Disney-Leute mit der Zeit gehen.

Wer für andere Menschen bloß dann einen Wert hat, wenn er – gern auch nach intensiver Selbstkasteiung – ihren Erwartungen entspricht, der macht etwas verkehrt, denke ich. Der wird sich nie selbst finden, denn er sucht an der verkehrten Stelle. Man muss nicht eine Millionen Follower haben, die im Ernstfall doch nicht helfen. Man braucht nur eine Hand voll Leute. Die aber müssen den Menschen mögen, der man ist, nicht nur sich selber oder das Bild, das sie von sich gemalt haben.

Echtes Selbstbewusstsein kommt aus eigenem Erleben, nicht von der Leinwand, aus Büchern oder vom Flatscreen. Vermutlich wäre es für Gays Nichte also besser, Zeit mit ihrer Tante zu verbringen, nicht mit Arielle (in welcher Gestalt auch immer). Denn wer könnte die Nichte besser repräsentieren, als ihre berühmte Tante – und umgekehrt?

Aber, hey, ich will natürlich keinesfalls cancel culture betreiben. Die ändert ja nichts an den Problemen. Sie entfernt sie bloß aus dem Sichtfeld. Weswegen sie unter Leuten mit Macht besonders beliebt ist. Die wollen nicht selbst handeln. Die wollen lieber unterdrücken.

Apropos: Ich schreibe nur, weil ich einfach keinen gescheiten Therapeuten finde. Versucht hab ich‘s. Mehrfach. Es ist wie verhext…

Zum Inhalt

In Hunger beschreibt Roxane Gay die Geschichte ihres Körpers. In einer Welt, in der es für Frauen offenbar das größte Ziel ist, dünn zu sein, macht sie die Erfahrung, dass sie immer wieder über ihr Gewicht definiert wird. Denn das entspricht nicht den heutigen Schönheitsidealen. Über 250 Kilo hat sie schon auf die Waage gebracht. Die Leute urteilen schnell, aber kaum jemand kennt den Grund für ihr Übergewicht. Diese Geschichte erzählt sie erzählt von ihrer Vergewaltigung. Etwas, das sie lange niemandem erzählt hat und sich stattdessen in den Trost des Essens geflüchtet hat. Ein Trost, der ihr einen Schutzpanzer verschaffte, einen Körper, der nicht mehr so leicht verletzt werden könnte. Stattdessen kamen andere Verletzungen hinzu. Sie erzählt, mit welchen unmenschlichen Reaktionen, mit welchen Schwierigkeiten und Gefühlen man umgehen muss, wenn man eben nicht das Bild erfüllt, das die Welt von einem erwartet.

Meine Meinung

“Mein Vater glaubt, der Hunger ist im Kopf. Ich weiß, dass es anders ist. Ich weiß, dass Hunger im Kopf ist und im Herz und in der Seele.”

Roxane Gays Geschichte hat mich tief berührt. Body Positivity ist heute in aller Munde und dennoch haben wir immer noch das Idealbild einer schlanken Frau mit Kurven an den richtigen Stellen im Kopf. Man weiß, dass krankhaftes Übergewicht eigentlich immer einen Grund hat, sei es nun eine Stoffwechselstörung, hormonelles Ungleichgewicht, Medikamenteneinnahme oder aber auch eine psychische Erkrankung, aber der einfachste Grund, der einem sofort einfällt, ist der, dass die Person sich einfach nicht unter Kontrolle hat, zu faul ist, etwas für ihren Körper zu tun. Diese weitverbreitete Einstellung kennt auch Roxane Gay, hat sie immer wieder am eigenen Leib erfahren.

“Was sagt es über uns und unsere Kultur aus, wenn der Wunsch nach Gewichtsabnahme als grundlegendes weibliches Attribut gilt?”

Doch statt einfach nur das heutige Schönheitsideal zu kritisieren, erzählt die Autorin ihre ganz persönliche Geschichte. Und diese geht wirklich unter die Haut. Sie erzählt, wie es dazu kam, dass sie immer mehr Gewicht zunahm und wie ihre Körpermaße bis heute ihren gesamten Alltag beeinflussen. Sie berichtet von schwierigen Situationen, über die man als normalgewichtiger Mensch niemals nachdenken würde und schafft somit eine ganz andere Sicht, ein ganz besonderes Verständnis.

Es fing alles damit an, dass sie mit zwölf Jahren von einer Gruppe Jugendlicher vergewaltigt wurde. Daraufhin fing sie an zu essen. Essen bedeutete Trost und ihr immer weiter steigendes Körpergewicht wurde für sie zu einer Art Schutz. Sie fühlte sich dadurch größer und weniger verletzlich. Trotz des Wissens, dass ihr Körpergewicht ungesunde Ausmaße annahm und mehrfachen Diätversuchen, blieb das Übergewicht und das Gefühl von Trost und die Sicherheit, die ihr das Essen verschafften. Sie erzählt von der Scham, davon, sich wertlos zu fühlen, immer wieder ungesunde Beziehungen einzugehen, sich nach Liebe und Anerkennung zu sehnen und wie stattdessen immer wieder neue Verletzungen hinzukamen. Emotionale Verletzungen durch Personen, die ihr nahestehen, aber besonders durch eine Gesellschaft, in der es einfach kein Verständnis, keinen Platz für Menschen mit starkem Übergewicht gibt. Trotz allem verliert sie nicht den Mut und die Entschlossenheit, sich selbst zu lieben. Schon früh findet sie eine Zuflucht im Schreiben, eine Möglichkeit ihre innersten Gefühle in Worte zu fassen und auszudrücken. Sie macht Karriere, ist mittlerweile eine bekannte feministischen Autorin und nutzt ihre Stimme. Dennoch bleiben die Verletzungen.

” Je erfolgreicher ich werde, desto öfter werde ich daran erinnert, dass ich für viele Menschen niemals mehr sein werde als mein Körper.”

Roxane Gay hat einen sehr eindringlichen, fast schon pathetischen Schreibstil, der mir nicht immer gut gefällt, da es auch immer wieder Wiederholungen gibt, die eine Aussage verdeutlichen sollen. Manchmal ist mir das einfach etwas zu viel. Dann wiederum berichtet sie plötzlich ganz nüchtern und ruhig von Erlebnissen und zeigt damit die Alltäglichkeit dieser oftmals verachtenden, abwertenden und herablassenden Reaktionen ihrer Mitmenschen auf ihr Übergewicht. Sie erzählt von Lehrerinnen, die sie watschelnderweise nachmachten, von Stühlen, in die sie bei Lesungen nicht passte und Bühnen ohne Treppe, auf die sie nicht klettern konnte, von Blicken im Fitnessstudio und ungefragten Ernährungstipps im Supermarkt, aber auch von der Darstellung von Frauen in den Medien. Diese Erfahrungsberichte sind es, die mich sehr bewegt und zum Nachdenken angeregt haben. Es geht in diesem Buch nicht darum, starkes Übergewicht zu verherrlichen oder auf Teufel komm raus Body Positivity zu verbreiten. Es ist nicht so leicht, den eigenen Körper zu lieben, wie es in dieser Bewegung gerne dargestellt wird. Man spürt den Kampf der Autorin. Sie ist sich sehr wohl bewusst, dass ihre Lebensweise nicht gesund ist und sie wünscht sich auch, dünner zu sein, aus verschiedensten Gründen. Sie probiert verschiedenste Diäten aus. Und dennoch scheitern ihre Abnehmversuche immer wieder, weil es eben einfach nicht so leicht ist mit ihren Erfahrungen und ab einem gewissen Gewicht. Und auch das schildert sie sehr authentisch. Sie gibt ehrlich zu, dass sie darunter leidet und versucht sich trotz ihrer äußeren Erscheinung zu lieben. Sie erklärt, dass es nicht so leicht ist, etwas daran zu ändern, schafft durch das Teilen ihrer Erfahrungen beim Leser ein tieferes Verständnis dafür und zeigt damit, wie ungerecht und wertend mit Übergewicht umgegangen wird und wie sehr wir uns trotz aller Behauptungen von nicht hinterfragten Äußerlichkeiten beeinflussen lassen. Auch wenn ihr Körper, ihr Hunger, das zentrale Thema dieses Buches sind, schreibt sie darüberhinaus sehr eindrücklich darüber, wie es ist, mit traumatischen Erfahrungen zu leben, damit umzugehen, wie diese einen in allen Lebensbereichen beeinflussen. Sie macht deutlich, dass ihr Körper nicht das eigentliche Problem ist, sondern ihre Erlebnisse, ihre Erfahrungen. Sie möchte es schaffen, damit Leben zu können und sich selbst zu lieben. Insgesamt ist dieses Buch für mich eins: sehr ehrlich.

“Intellektuell setze ich Dünnsein nicht mit Glücklichsein gleich. Ich könnte morgen dünn aufwachen und immer noch das Gewicht mit mir herumschleppen.”

Fazit

Hunger ist die Geschichte einer Frau, die Schreckliches erlebt hat und tief verletzt wurde, die ihren Trost im Essen findet und damit auf weitere Schwierigkeiten und emotionale Verletzungen stößt in einer Gesellschaft, deren Werte immer noch auf Äußerlichkeiten beruhen. Es ist aber auch die Geschichte einer starken Frau, die trotz aller Widrigkeiten ihren Mut nicht verliert, immer weiter versucht, eine positive Beziehung zu ihrem Körper aufzubauen, Karriere macht und ihre Stimme nutzt. In diesem autobiografischen Buch erzählt Roxane Gay auf schonungslos ehrliche Art und Weise ihre ganz persönliche Geschichte und hält einer Gesellschaft, die von sich behauptet, vorurteilsfrei auf Äußerlichkeiten zu reagieren und die inneren Werte hervorzuheben einen Spiegel vor. Es ist ein Appell: Verurteile niemanden, dessen ganze Geschichte du nicht kennst. Jeder Mensch hat eine Geschichte, genauso, wie jeder Körper eine Geschichte hat.